Zweifelhafte Tipps zum Stillen.

  Empfehlungen zum Stillen | Wiebkes WeltJa, ich stille gern. Zumindest die ersten Monate. Denn es ist nicht nur nachweislich das Beste für jedes Baby, sondern schafft auch eine Nähe zwischen Mama und Zwerg wie kaum etwas Anderes. Trotzdem finde ich: Es gibt Grenzen. Nicht nur, was das Alter des Kindes betrifft, das mag gern jede selbst entscheiden. Aber einige Tipps, die ich noch im Krankenhaus bekommen habe, finde ich doch etwas zweifelhaft.Das Hamburger Krankenhaus, in dem unsere beiden Kinder zur Welt gekommen sind, bezeichnet sich selbst als stillfreundliches Krankenhaus. Schreibt aber dazu, dass selbstverständlich auch Mütter unterstützt werden, die nicht stillen können oder möchten. Als ich damals nach Lenes Geburt im Doppelzimmer lag, war davon allerdings nicht viel zu merken. Bei meiner Bettnachbarin wollte das Stillen so gar nicht klappen. Und irgendwann hatte sie solche Schmerzen, dass sie bei jedem Versuch in Tränen ausgebrochen ist. Sie hat dann die Schwestern gebeten, ihr Säuglingsnahrung für ihren Zwerg zu geben. Nach ewigen Diskussionen nötigte man sie, eine Maßnahme nach der nächsten auszuprobieren. Mit dem Ergebnis, dass es noch mehr weh tat. Mehrere Stunden später hat sie endlich die Säuglingsnahrung bekommen – und der Zwerg etwas zu essen.

Baby alle 3 Stunden zum Stillen wecken?

Bei Jannes hat mich schon die Ansage irritiert, man solle sein Baby doch bitte alle 3 Stunden wecken zum Trinken. Das war jetzt nicht unbedingt das, was ich unter "Stillen nach Bedarf" verstehe. Und es wurde tatsächlich auch nachts durchgezogen. Ich weiß nicht, wie oft die Schwestern uns geweckt haben. Schlaf wird offensichtlich auch direkt nach einer Geburt überbewertet. Laut meiner Hebamme zuhause ist das übrigens völliger Quatsch. Sie sagt, Babys melden sich, wenn sie Hunger haben – auch nachts.

Milcheinschuss – aua!

Das Stillen an sich war zum Glück von Anfang an eigentlich kein Problem. Eigentlich. Denn an Tag bzw. Abend 2 folgte der Milcheinschuss – und mit ihm das Gefühl, in den nächsten Minutenzu platzen (Mamis wissen vermutlich, was ich meine): Ich hatte wirklich Schmerzen und das Gefühl, dass der kleine Mann einfach nicht so viel trinken kann, wie Mutti produziert. Also habe ich um eine Pumpe gebeten – ohne Erfolg. Stattdessen beharrte die Schwester darauf, dass das Baby 2 Tage nach der Geburt an jeder Brust mindestens 25-30 Minuten trinken müsse. Abgesehen davon, dass ich nicht sicher bin, ob er kleine Magen überhaupt schon so viel Platz bietet, gab es allerdings ein weiteres Problem: Jannes schläft nämlich gern beim Essen ein 🙂

Baby mit kaltem Waschlappen wecken.

Also sagte die Schwester mir, ich soll ihn auf jeden Fall wachhalten und zum Trinken nötigen. Ihn notfalls nackig machen und mit einem kalten Waschlappen aufwecken. HALLO? Ein 2 Tage altes Baby, das noch gar nicht weiß, wo es ist, was passiert ist, und das eigentlich zum Großteil nur schlafen möchte? Und er dürfe maximal 2 Sekunden Pause machen beim Trinken, sonst solle ich ihn wieder animieren bzw. ärgern.

Das Ganze begann übrigens nachts um 2, halb 3. Um halb 5 war ich nach mehreren erneuten Bitten nach einer Pumpe und gefühlten 78-Mal geweckt Werden so dermaßen genervt, dass ich den Zwerg und mich schlafen gelegt und die eingeschnappte Hebamme ("Ich kann sie ja nicht zwingen") ignoriert habe. Netterweise habe ich dann ein Kühlpad bekommen, immerhin.

Den Wunsch der Patienten respektieren.

Am nächsten Morgen war es zum Glück etwas besser. Trotzdem möchte ich sagen: Es sollte doch bitte jeder Mama selbst überlassen werden, ob und wie sie stillen möchte oder nicht. Ja, über hilfreiche Tipps habe ich mich auch gefreut (vielen Dank dafür), aber es wäre schön, wenn irgendwann der Wunsch der Mama/Patientin einfach auch mal respektiert wird. Und wenn die Zeit auf der Wochenbettstation anstrengender ist als die Zeit zuhause mit Kleinkind, dann ist vielleicht auch etwas falsch.