Rezension: Babybauchzeit – Geborgen durch die Schwangerschaft & die Zeit danach.

Buch Babybauchzeit von Nora Imlau
Babybauchzeit: Schöner Titel, tolles Foto, oder?

Es geht munter weiter mit Neuigkeiten auf meinem Blog: Nach Katrins mehrteiligem Gastbeitrag zum Thema Hypnobirthing gibt es jetzt meine erste Rezension. Juhu! Dafür hat mir Nora Imlau tollerweise ein Exemplar ihrer "Babybauchzeit" geschickt. Ein super Titel für ein Schwangerschaftsbuch, oder? Finde ich auch, noch dazu mit einem so schönen Titelbild. Genau deshalb war ich sehr gespannt, ob der Inhalt wohl genauso gut gelungen ist.

Warum ich ein Schwangerschaftsbuch lese?

Aber zunächst mal zu einer anderen Frage: Warum liest man ein Schwangerschaftsbuch, wenn man schon zwei Kinder hat, und die Familienplanung abgeschlossen ist? Weil ich wissen wollte, ob sich etwas Weltbewegendes geändert hat seit meiner ersten Kugelzeit. Weil ich die Ansichten, die ich bisher von Nora Imlau gelesen habe, sehr schön und überzeugend fand. Weil ich den Titel "Babybauchzeit" so toll finde. Und weil es mich interessiert hat, ob ich mich in dem Buch wiederfinde. Das habe ich tatsächlich. Nicht in allen Punkten, aber schon in vielen.

Dazu beigetragen hat, dass ich das Buch als sehr persönlich empfinde. Natürlich trotzdem auch sachlich geschrieben, aber eben nicht im typischen Ratgeber-Stil. Vielleicht ist es die Mischung der beiden Autorinnen. Nora Imlau als dreifache Mama und Journalistin mit viel Erfahrung in Elternthemen, Sabine Pfützner mit eigenem Geburtshaus und langjähriger Erfahrung als Hebamme. Durch diese Kombi werden die Themen aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet. Und die Leserin wird auf Dinge aufmerksam (gemacht), die sie sonst vielleicht nicht bedacht hätte.

Glaubwürdig und sympathisch, ohne erhobenen Zeigefinger.

Wichtig dabei finde ich, dass das Buch komplett ohne Schwarz-Weiß-Denken und erhobenen Zeigefinger auskommt. Ein gutes Beispiel ist das Thema vegetarische/vegane Ernährung in der Schwangerschaft. Für mich spannend, weil  ich selbst kein Fleisch esse und es auch während der Schwangerschaft nicht getan habe. Oft hört und liest man ja besonders zur veganen Ernährung, wie schädlich sie für das Baby sei - und ehrlichgesagt weiß ich auch nicht, ob ich es darauf hätte ankommen lassen. Aber wer in diesem Buch auf eine ähnliche Ermahnung wartet, wird enttäuscht. Stattdessen weisen die beiden Autorinnen darauf hin, was Schwangere bei welcher Ernährungsform beachten sollten, und geben hilfreiche Tipps.

Ähnlich sieht es bei allen anderen Themen aus. Naturheilkunde wird ebenso berücksichtigt wie klassische Medizin. Und obwohl Sabine selbst ein Geburtshaus leitet, hält sie kein Plädoyer gegen die Geburt im Krankenhaus, sondern es werden alle Optionen mit ihren Vor- und Nachteilen ausführlich beschrieben. Das trägt aus meiner Sicht einen großen Teil zur Glaubwürdigkeit des Buches bei, und macht es sehr sympathisch.

Begleitung durch die Kugelzeit.

Gut gefallen hat mir die immer wiederkehrende Rubrik "Es ist o.k.!" Hier werden die Sorgen und Gedanken aufgegriffen, die vermutlich viele Schwangere zum jeweiligen Zeitpunkt beschäftigen. Die schöne Botschaft dahinter: Du bist nicht allein mit diesen Gedanken, und es it vollkommen in Ordnung, dass Du so denkst bzw. fühlst. Ergänzt wird das Ganze durch ein sehr passendes Mantra zum jeweiligen Trimester und einer übersichtlichen Zusammenfassung, was im jeweiligen Monat eigentlich im Babybauch passiert. Auch die werdenden Papas vergessen die beiden Autorinnen nicht. Ein wichtiger Punkt, weil die Schwangerschaft gerade am Anfang für viele doch um einiges abstrakter sein dürfte als für die Mamas selbst.

Abschied vom Babybauch - dieser Tipp hat mich berührt.

Am Ende des Textes steht ein Tipp, der mich berührt und zum Nachdenken gebracht hat: "Nimm Dir Zeit, um Dich emotional von Deiner Schwangerschaft zu verabschieden." Ganz ehrlich? Darüber habe ich bisher überhaupt nicht nachgedacht. Aber vielleicht wäre genau das gut gewesen, dem Babybauch zum Ende der Schwangerschaft "Tschüß" zu sagen. Vielleicht wäre meine Wehmut dann nicht ganz so groß gewesen. Ich war beide Male unglaublich gern schwanger. Und der Dickbauch mitsamt Bewohner hat mir schon eine ganze Weile danach noch gefehlt. Keine Ahnung, ob ein bewusster "Abschied" daran etwas geändert hätte - aber vorstellen kann ich es mir.

Geburtsplan als wichtige Vorbereitung.

Ein weiteres spannendes Thema, das Nora Imlau aufgreift: der Geburtsplan. So konkret, wie sie ihn beschreibt habe ich meinen zwar nicht ausformuliert. Er hat mir aber trotzdem geholfen, mir relativ genau darüber klar zu werden, was ich möchte und was eben nicht - zum Beispiel eine PDA, wenn sie nicht unbedingt zwingend notwendig ist. Das habe ich direkt bei der Anmeldung im Krankenhaus schon gesagt und hatte es auch später, als es losging, sicher im Kopf. Naja gut, bis auf die Badewanne - die habe ich beim ersten Mal schlichtweg vergessen, und beim zweiten Mal war das letzte, was ich wollte, ein heißes Bad. Aber ich glaube, es ist trotzdem wichtig, die wichtigsten Punkte rechtzeitig vor der Geburt für sich zu klären.

Wissen hilft gegen Angst.

Am Ende der Babybauchzeit steht die Geburt. Und natürlich wird auch die im Buch thematisiert. Und zwar ziemlich ausführlich und detailliert. Einerseits sehr hilfreich, denn welche werdende Mama interessiert nicht, was auf sie zukommt? Andererseits reicht manchen vielleicht auch eine ungefähre Vorstellung, ohne zu viele Details.

"Wissen hilft gegen Angst", ist das Argument für die ausführliche Beschreibung. Ehrlich gesagt teile ich diese Ansicht nicht immer, aber in diesem Fall schon. Allein aus dem Grund, weil man sonst viel zu viele Horrorgeschichten über Geburten liest - und in der Babybsuchzeit wird alles herrlich entspannt (und trotzdem ohne rosarote Brille) erklärt.

"Leg es doch mal ab!" - aber warum eigentlich?

In einem richtigen Schwangerschaftsratgeber kommt natürlich auch die erste Zeit mit dem Baby nicht zu kurz. Und in diesem Teil weiß ich sofort wieder, warum mir viele Ansichten von Nor Imlau so gefallen. Sie schreibt, das ein Baby Körperkontakt braucht, und zwar am besten 24 Stunden am Tag. Genauso habe ich es gemacht, die Zwerge fast den ganzen Tag herumgetragen oder auf meinen Bauch gelegt. Auch wenn nicht jeder das versteht, und ich manchmal den Gedanken "Leg es doch mal ab" fast hören konnte - gut, manchmal habe ich ihn auch gehört. Es hat sich für mich einfach richtig angefühlt, und teilweise tut es das heute immer noch. Und auch, dass Babys lieber getragen werden, als im Stubenwagen zu liegen, wird in der Babybauchzeit logisch erklärt: Schließlich kennen die Zwerge die Bewegungen noch aus dem Bauch.

Zwei schwierige Themen zum Schluss.

Zum Ende der Babybauchzeit werden zwei schwierige Themen angesprochen: das erste ist der plötzliche Kindstod. Ich weiß nicht, wie oft ich abends nicht richtig schlafen konnte, weil ich mir einfach (viel zu viele) Gedanken darüber gemacht habe. Ja, es passiert selten - aber was nützt mir die Statistik, wenn es mir passiert? Nora Imlau geht ausführlich auf das Thema plötzlicher Kindstod ein und entkräftet zum Beispiel plausibel die Angst vor dem Familienbett. Einige der Infos hätte ich gern früher schon gehabt, denn ich finde sie durchaus beruhigend. Auch wenn ich nicht weiß, ob sie meinem hypochondrisch veranlagtem Köpflein wirklich geholfen hätten.

Auch einige andere Krankheiten werden angesprochen, samt Behandlungsmöglichkeiten, wenn Mama während Schwangerschaft oder Stillzeit Opfer von Viren wird. Die Empfehlung für Embryotox kann ich leider nicht kmplett teilen. Dafür gibt es einen ganz einfachen Grund: Hier wird nach wie vor Paracetamol als eines der Mittel der Wahl empfohlen. Allerdings gibt es, soweit ich weiß, inzwischen mehrere Studien, die einen möglichen negativen Einfluss auf das Baby bestätigen.

Ungewöhnliches Kapitel für ein Schwangerschaftsbuch.

Das zweite "schwierige" Thema, das die Babybauchzet thematisiert, sind Fehlgeburten. Das finde ich durchaus ungewöhnlich für ein Schwangerschaftsbuch, aber auch gut. Weil es eben doch leider mehr Frauen betrifft, als man denken würde. Auch dieses traurige Thema wird sehr einfühlsam behandelt. Und in der Einleitung wird darum gebeten, sich gut zu überlegen, ob man weiterlesen möchte oder nicht. Gerade für ängstliche Schwangere ein wichtiger und sinnvoller Hinweis, um sie nicht noch mehr zu verunsichern.

Babybauchzeit - wo warst Du vor 4 Jahren?

Nachdem ich die Babybauhzeit gelesen habe, bleibt nur noch eine Frage offen: Warum gibt es das Buch erst jetzt? Nein, im Ernst: Ich finde es wirklich schade, dass ich es erst jetzt gelesen habe und nicht vor vier Jahren. Natürlich hatte ich auch ein Mama-Ratgeber, den ich in der ersten Schwangerschaft in Rekordzeit verschlungen und immer wieder zum Nachlesen hervorgeholt habe. Trotzdem ist dieses Buch hier irgendwie...mit fehlt gerade das passende Wort dafür. "Dichter dran" trifft es ganz gut. Vielleicht liegt das wie oben schon geschrieben an der Kombination aus den Ansichten von Dreifach-Mama und Hebamme. Mir gefällt jedenfalls der sachliche und trotzdem einfühlsame Ton, und ich habe mich während des Lesens verstanden und gleichzeitig gut informiert gefühlt.